Das weiteste Auswärtsspiel der Saison stand (mal wieder) an einem Freitag an. Wer keine Schulferien hatte musste einen Urlaubstag opfern, kam aber bei rechtzeitiger ICE-Buchung noch mit einem recht humanen Preis an die Ostseeküste. Mit eben jener ICE-Verbindung machten wir uns als 7er Gruppe gen Norden auf, zwei weitere Mitglieder hatten sich gar schon am Vortrag mit der Bimmelbahn aufgemacht - Respekt dafür! Die lustige Fahrt verging recht zügig, sodass wir noch genug Zeit hatten um ein bisschen den Rostocker Stadt-Hafen zu erkunden und gemütlich Fisch essen zu gehen, bevors zum Ostseestadion ging.

Dort war aufgrund des so geringen Gästefan-Aufkommens sogar der Stehblock gesperrt, sodass wir - um den Ordnern Arbeit zu ersparen - mit der Sitzplatztribüne Vorlieb nehmen mussten. Schnell wurde klar, dass neben den uns bekannten Auswärtsfahrern sich keiner auf den Weg gemacht hatte. Somit waren wir mit acht BRC/CF-Mitgliedern die einzigen der aktiven Szene bei diesem wichtigen Auswärtsspiel. Dass die Maßnahme den Gästeblock nicht zu öffnen nicht gerade eine Erleichterung brachte merkten die örtlichen Sicherheitskräfte dann kurz nach Spielbeginn, sodass sich zu den wenigen Ordnern im Block plötzlich noch rund 20 Polizisten gesellten, die für eine Sperrkette zwischen "berühmt-berüchtigtem" Rostocker Publikum und uns Schanzern bildeten. Diesen Aufwand hätte man auch einfach umgehen können, hätte man uns in den Gästeblock geschleust.

Sportlich war es wie erwähnt eines der wichtisten Spiel dieser Saison. Als Vorletzter auswärts beim Tabellenletzten: Das versprach nicht gerade hochklassigen Fußball aber Kampf um den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. Davon merkte man in der ersten Hälfte aber nur von einem Team etwas: Rostock war von Beginn an die dominierende Mannschaft in einem umkämpften Spiel.

Die Heimseite war durch Repressionen sehr gebeutelt: Aufgrund von Ausschreitungen war die Südtribüne auf den Eckblock für den Rest der Saison reduziert worden, dazu Stadionverbote und personalisierte Auswärtstickets. Ein geregelter Support der Hanseaten war verständlicher Weise kaum möglich, dennoch zeigten sie von Zeit zu Zeit, welch guter Support möglich wäre.

Auf unserer Seite hatten sich rund 20 wackere Schanzer gefunden, die ihr Team nicht im Stich lassen wollten und wir gaben zumindest beim Support unser bestes und waren für unsere Mittel ab und an recht laut zu vernehmen. Zwar kann man das lächerlich sehen wie man will, wir hatten aber unseren besten Spaß dabei.

Zurück zum Spiel: Rostock hatte ein spielerisches Übergewicht in einer schwachen ersten Halbzeit. Hatte unser Team noch gegen Aufstiegskandidaten wie Düsseldorf und Fürth sehr stark präsentiert, so zeigte sich jetzt wieder, dass wir uns vor allem gegen direkte Konkurrenten sehr schwer tuen. Ein ganz schwaches und ungefährliches Offensivspiel war gepaart mit immer wieder schlimmen Aussetzern und Fehlpässen in der Defensive. Nach etwa 20 Minuten dann der Aufreger der ersten Halbzeit: Schäfer sollte Jänicke im Strafraum getroffen haben, das zumindest die Meinung von Schiri-Debütant Stegemann. Sicherlich kein Elfer, den man geben muss - vor allem wenn man sich die Aufreger der Vorwoche noch einmal vor Augen ruft. Rostocks Neuzugang Borg trat an und verwandelte sicher zum 1:0 für Hansa, das in diesem Moment in der Tabelle an uns vorbeizog.

In der zweiten Hälfte konnte man zunächst keine Verbesserung unserer Spielweise erkennen. Weiterhin war vor allem offensiv sehr sehr wenig geboten. Wir brauchten ein Tor - und es fiehl. Wenn man es selber nicht schafft, braucht man eben Gegner, die das übernehmen. Nach einer Schäfer Flanke netzte Hansa-Verteidiger Gusche in bester Torjägermanier per Kopfball ein - zu seinem Pech ins eigene Tor. Sehr glücklich der Ausgleich für uns. Rostock blieb auch in der Folgezeit die gefährlichere Mannschaft und hatte gute Chancen in einem nun besseren Fußballspiel.

Ein Kontor war es schließlich, der uns den recht glücklichen Siegtreffer brachte: Nemec legte quer auf Ikeng, der zum 2:1 einschob. Ein richtig befreiender Moment für alle Anwesenden. Nach den schweren Wochen mit vielen Problem mit Verein und Mannschaft sowie einer angespannten sportlichen Situation zumindest der Torjubel von Ikeng ein Schritt in die richtige Richtung. In der Folgezeit verpassten wir es frühzeitg den Deckel drauf zu machen, sodass es bis zum Schluss spannend blieb. Ralle Keidel musste noch auf die Tribüne, wurde vom Rostocker Publikum mit Bierbechern geschmissen und von uns gefeiert, ehe der Schiri schließlich abpfiff. Erster Auswärtsspieg seit dem 1. April letzten Jahres! Ein so ungewohntes Gefühl, das uns wieder daran erinnert warum wir eigentlich auswärts fahren!

Nach der Feier mit der Mannschaft gings für uns umgehend zum Bahnhof, wo wir eskortiert in den Zug nach Berlin gebracht wurden. Selbst dort wurden wir als kleine lustige Gruppe noch von Polizisten geschützt. Man muss an dieser Stelle sagen, dass die Organisation sowie Kommunikation mit den Beamten sehr gut war und diese ihre Arbeit an diesem Tag wirklich gut erledigten. Traurig nur, dass soetwas überhaupt nötig ist...

Uns war es letztendlich egal: Auswärtssieg, etwas Luft im Abstiegkampf und vor allem eine sehr geile Auswärtsfahrt!

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