Es sind diese einzigartigen Geschichten für den wir den Fußball lieben und gleichzeitig hassen, die emotionalen Sekunden, die zwischen Triumph und Trauer liegen. Die Storys, die sich kein Drehbuchautor besser ausdenken könnte und die Leidenschaft bis zum Ende mitzufiebern, um dann mal mit einem Lachen und mal mit einem Weinen aus dem Block zu gehen. Das Spiel gegen Union Berlin sollte mal wieder so ein Tag voller Geschichten sein, dieses mal jedoch mit enttäuschendem Ende.

Die erste Geschichte ist die des Hinspiels. 4:1 verloren in Köpenick, eine von vielen derben Auswärtsklatschen zu Saisonbeginn, die Benno Möhlmann schließlich den Job kosteten. Viel hat sich verändert seither, Spieler kamen und gingen. Der einzige Schanzer-Torschütze aus dem Hinspiel - Mo Hartmann - fällt zum Beispiel bis Saisonende aus, an seiner Stelle sind nun Winterneuzugänge wie Nemec, Heller oder Schäffler im Kader des FC04. Auch sie konnten die Sturmflaute unter Oral noch nicht so wirklich beheben.

 

An diesem Freitagabend blickte man zunächst verwundert in den Gästeblock, der sich nur sehr langsam füllte. Erst kurz vor Anpfiff trafen die meisten Berliner ein. Am Ende war der Block dann doch noch gut gefüllt, auch wenn ich persönlich mit noch mehr Rot-Weißen gerechnet hätte. Von so einer Anzahl können wir natürlich trotzdem nur träumen.

Unser FCI, tatsächlich seit sechs Spielen unbesiegt, begann schwach. Die Gäste aus der Hauptstadt waren es, die von Beginn an die Initiative ergriffen. Keeper Özcan war wieder ein starker Rückhalt und bewies warum er unter Oral zur Nummer 1 wurde. Die Stimmung zu Beginn von unserer Seite nicht berauschend. Die Südtribüne zwar überdurchschnittlich gut gefüllt, das war wohl eher einer gut gemeinten Freikartenaktion eines Sponsors zu verdanken als der Erfolgswelle des FCI. Dass trotz dieser Aktion nur gut 6000 Zuschauer im Sportpark waren enttäuscht doch sehr und ein FC-Fanclub bekam die Ankunft der neuen Fans gleich mal besonders zu spüren. So eine Zaunfahne versperrt schon mal die Sicht, was liegt da näher als sie nicht einfach abzuhängen... armes, armes Ingolstadt...

BRC und CF zeigten in der ersten Halbzeit zwei Spruchbänder im Bezug auf das Geisterspiel Dresden - Ingolstadt am kommenden Wochenende. Wieder einmal (vgl. 1. Spieltag St. Pauli) sind wir die Leidtragenden für etwas, für das nun wir am allerwenigsten können. Solche Pauschalbestrafungen treffen PERMANENT nur die falschen, aber das scheint egal zu sein. Bestrafen um des bestrafens Willen eben. Der genaue Inhalt der Spruchbänder: "Geisterspiele lösen keine Probleme sondern schaffen nur neue" und "Ingolstadt = DFB Marionette?!"

Zurück zum nicht uninteressanten Fußballspiel: Union war die spielbestimmende Mannschaft, aber es waren unsere Schwarz-Roten, die in Führung gingen! Außgerechnet der angesprochene Adam Nemec traf zum sehenswerten 1:0 für die Schanzer. Sein erster Treffer nach durchwachsenen Leistungen bisher. Doch das Hochgefühl der Führung hielt nicht lange: keine 100 Sekunden nach Wiederanpfiff netzte Ede für Union zum verdienten Ausgleich ein. Mit dem Ergebnis und durchwachsener Stimmung gings in die Halbzeit, man wusste: Union war die bessere Mannschaft und das würden ganz harte 45 Minuten bis zum nächsten Punktgewinn.

Es kam wie es kommen musste: kurz nach Wiederanpfiff war das Spiel gedreht und die Gäste aus Berlin hatten Grund zu jubeln. Torschütze für Union war Terrode in der 48. Minute. Auch in der Folgezeit kam mehr von der Auswärtsmannschaft, sodass viele schon das Ende der Serie in Sicht sahen. Doch wieder drehte sich das Spiel: Oral brachte offensive Kräfte und es zeichnete sich aus. Das Offensivspiel fand auf einmal tatsächlich statt und eine Flanke von Görlitz (!) fand tatsächlich ihr Ziel, nämlich den Kopf von Nemec der den Ball erneut im Netz versenkte. Sehr schmeichelhaft dieser Ausgleich, doch der FCI machte weiter, jetzt auch unter toller Unterstützung der Südtribüne - ab und an etwas unkoordiniert, weil jeder versuchte seine Gesänge zum besten zu geben. Von den zur Halbzeit unters Dach gezogene Union-Support-Gruppe war in dieser Zeit wenig zu vernehmen. Der vorläufige Höhepunkt war dann die gekonnte Ballbehauptung vom eingewechselten Akaichi und dessen Pass im richtigen Moment auf Buchner, der tatsächlich zum 3:2 für uns einschob! Damit hatte niemand mehr gerechnet, jetzt waren sogar 3 Punkte möglich!

Und es sah so gut aus: Immer wieder scheiterten die Unioner während sich unseren Jungs Konterchancen boten. Diese blieben ungenutzt und so blieb es bis zum Schluss spannend und somit Zeit für die letzte dramatische Geschichte in diesem Spiel: fast war die Nachspielzeit von zwei Minuten schon abgelaufen, als es nochmal Eckball für Union Berlin gab. Keeper Glinker wie alle anderen im gegnerischen Strafraum. Genau der Torwart war es, der per Kopf an den Ball kam und diesen gefährlich in den Fünfer brachte. Als unsere Verteidigung - versammelt auf vier Quadratmetern den Ball nicht raus brachte, konnte Union nochmal einen gefährlichen Pass vors Tor spielen wo Markus Karl mit dem Schlusspfiff das 3:3 markierte. Ausgerechnet der Markus Karl, der nach 3 1/2 Jahren FC Ingolstadt im Sommer überraschend nach Berlin gewechselt war, weil es die Ingolstädter Klubführung nicht geschafft hatte ihm einen vernünftigen neuen Vertrag anzubieten. Ausgerechnet der Markus Karl, der in der vergangen Rückrunde in die erste Mannschaft zurückgekehrt war und Stabilität ins defensive Mittelfeld gebracht hatte. Ausgerechnet der Markus Karl, den in dieser Spielzeit niemand so recht ersetzen konnte. Kein Metzelder, kein Haas und kein Ikeng!

Es sind zwei Punkte, die am Ende ganz unglücklich verloren gehen. Zur Halbzeit und bis zur 70. Minute hätte aber wohl jeder das Ergebnis dankend angenommen, sodass man am Ende mit dem PunktGEWINN leben muss, so ärgerlich wie es auch ist. Wir sind in der Rückrunde dadurch weiter ungeschlagen und wenn die Konkurrenz weiter schäwchelt liegt es durchaus in unserer Hand den Klassenerhalt zu schaffen. Dennoch muss dafür eine deutliche Leistungssteigerung her, nicht immer wird ein Özcan einen frühzeitigen K.O. verhindern.

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