Der erste Protest-/ Boykottspieltag der Aktion „12:12- Ohne Stimme keine Stimmung“ wurde wohl von so manchem zu ernst genommen. Insbesondere auf den Sitzplätzen meinten die Zuschauer, das gesamte Spiel zu boykottieren , dem sonst so hoffnungslos überlaufenen Sportpark fernzubleiben und das Spiel stattdesseb vor gerade einmal 4200 Zuschauern ablaufen zu lassen. Ein klares Zeichen an die DFL, ein großer Dank an diese Leute, die die Schikanen der Liga nicht über sich ergehen lassen wollen und es dafür in Kauf nehmen, ihre große und einzige Leidenschaft, den FCI, einmal eine nicht aus allen Nähten platzende Gegengerade zu präsentieren.

Die Südtribüne wählte (wie der Rest Deutschlands) eine weniger drastische Maßnahme: die ersten 12 Minuten und 12 Sekunden wurden bestreikt, und zwar tatsächlich von allen! Keine einziger Schrei eines mittelgradig Alkoholisierten, alles mucksmäuschenstill. Irgendwie mal was ganz anderes, aber in keinster Weise positiv gemeint. Es scheint, dass jeder verstanden hat, worum es geht. Die Stille wurde auch von mehreren Leuten auf der Gegengerade, mit denen man sprach, als komisch empfunden. Somit ist klar, dass dies definitiv nicht das Ziel des deutschen Fußballs sein kann, dass ein Stadion kein Ort der inneren Ruhe mit Bonsaibäumchen ist, sondern verdammt noch mal ein Platz, auf welchen Emotionen ausgelebt werden!

 

Die Aktion erfährt somit auch in Ingolstadt großen Zuspruch. Nicht nur, dass sich jeder Teil der Kurve an der Boykottaktion beteiligt hatte, auch der Stadionsprecher machte mehrmals auf die Aktion aufmerksam, das Logo der Aktion wurde auf den Stadionleinwänden gezeigt und es wurde angemerkt, dass man sich bei Ideen zum Protest gerne an uns wenden könne.

Auch die Fahnenschwenker auf dem Platz nahmen bei Einlauf der Mannschaften nicht wie gewohnt ihre Fahnen in die Hand, sondern präsentierten ein Spruchband mit dem Namen der Aktion.

Wahnsinnig toller Support daher von allen bei diesem Protest, für den wir uns herzlich bei den Beteiligten bedanken wollen! Die Aktion hat aber erst begonnen, wir haben noch 2 Spieltage vor uns und nach wie vor den ein oder anderen Pfeil im Köcher.

Nach den 12 Minuten Boykott legte man mit einem ordentlichen Support los, die Jungs und Mädl´s der Gegenseite ebenfalls. Nach dem „Scheiß DFL!“- Wechselgesang hörte man allerdings für lange Zeit nichts mehr. Unsere Tribüne des Südens präsentierte sich ordentlich für ein Mittwochsspiel, gönnte sich von Zeit zu Zeit einen kleinen Durchhänger, konnte aber dennoch für den einen oder anderen Glanzpunkt setzen. Prinzipiell also zufriedenstellend, ganz im Gegenteil zum Spiel auf dem Rasen.

Nach dem Rückstand in der 19. Minute konnte Leitl kurz vor der Pause per Elfmeter ausgleichen. Als die Auer allerdings wieder in Führung gingen, brachte es unsere Mannschaft nicht mehr übers Herz, den sportlich angeschlagenen (bis dato schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga) Auern, kurz vor Beginn der Weihnachtszeit die Punkte zu schenken. Werden wir doch so oft als Verein ohne Herz und Seele bezeichnet, haben wir dieses Mal bewiesen, dass wir zumindest ein Herz für Tabellenkellerkinder haben. Immerhin.

Die Unzufriedenheit nach dem Spiel war damit verständlich nach dem Unentschieden gegen die Tabellenletzten SV Sandhausen und der Niederlage gegen den 15. der Liga Erzgebirge Aue. Das Auspfeifen der Spieler danach jedoch aus meiner Sicht nicht angebracht, viel eher sollte man sich glücklich schätzen, sich eine solche missratene Woche leisten zu können, ohne sich daraufhin massive Sorgen um den Abstieg machen zu müssen.

Nächste Woche geht es dann zum 1. FC Köln, was wieder eine ereignisreiche und lustige Auswärtsfahrt zu werden scheint. Zudem ist es der zweite Protestspieltag, heißt dass die Tribünen die ersten zwölf Minuten schweigen werden. Und unsere radikalen Protestierer, die sonst auf der Gegengerade anzutreffen sind, werden wohl auch dieses Spiel in seiner Gänze boykottieren.

Schade!

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